Was war und was wird nun? Ein Jahresrück- und -Ausblick

Der unangefochten beste Mensch auf der Welt hat mir zu Weihnachten ein sehr schönes T-Shirt geschenkt. „Schwere Jahre voller schöner Stunden“ steht darauf. Im Prinzip habe ich nun die Möglichkeit, das Resümee eines jeden Jahres direkt am Leib zu tragen (es sei denn, das Shirt ist in der Wäsche). Falls jemand nach einem Jahresrückblick fragt, könnte ich also einfach schweigen und auf diesen Aufdruck deuten. Eine Äußerung, so praktisch wie wahrhaftig. Auch das letzte Jahr war irgendwie furchtbar anstrengend, was vor allem daran lag, dass sich im Januar direkt eine ganze Handvoll neuer Betätigungsfelder angehäuft hat. Zu meinem einen, entspannten Hiwi-Job kam ein zweiter, der manchmal doch recht zeitintensiv ist (aber gleichzeitig viel Spaß macht). Gleichzeitig kam die Arbeit an meiner ersten wissenschaftlichen Publikation so langsam ins Rollen. Wissenschaftlich schreiben ist eine Sache, aber zusammen mit 2 anderen Menschen an einem Aufsatz arbeiten? Puh. Als ich das erste mal Feedback von meinem Team zu meinem Anteil bekam, fühlte es sich an, als bekäme ich einen ganzen Stapel höchst beschämender BetrunkenheitsPartyfotos von mir zu Gesicht. Oh weh, so schreibe ich also? Ist ja furchtbar.

Wer mich kennt, weiß, dass Literaturwissenschaft zwar schon so mein Ding ist, ich in Wahrheit aber sehr viel mehr für – nennen wir es „Literaturpraxis“ – brenne. Lange Zeit habe ich mich nicht so recht getraut, die Möglichkeiten auszutesten, die es außerhalb der reinen Textproduktion so gibt. Ich auf einer Lesebühne, mit meiner Stimme, meinem Auftreten insgesamt, mit den Texten? Ohje. Aus seltsamen Gründen meldete ich mich aber trotzdem für einen Poetry Slam vom Kieler Campus-Radio an und belegte mit einem sonderbaren Text, in dem u.a. zwei Wellensittiche, ein Drachen und ein Einhorn sterben, völlig unerwartet den zweiten Platz. Neues Betätigungsfeld also: Mehr öffentlich lesen. Gerne/meistens auf Slams. Nicht mehr für die Schublade schreiben. Stattdessen aber auch nichts mehr, was länger als 6 Minuten wäre.

Es ist wohl ganz treffend, wenn ich behaupte, dass mein Hauptinteresse der Geschichtenerzählerei gilt. Daher kommt überhaupt mein Grundbedürfnis, Dinge aufzuschreiben. Oder meine Motivation, manchmal doch mit Menschen zu reden. Eine andere schöne Art, Geschichten zu erzählen, bietet das Medium „Film“. In den letzten Jahren habe ich mir ein paar Kamera- und Videoschnittskills angeeignet (ein Hoch auf die moderne Technik, dass die dafür nötigen Dinge mittlerweile gut verfügbar sind!) und eine sehr wunderbare Crew am Start. Ich bin allerdings immer wieder beeindruckt, wie viel Aufwand man da reinstecken kann für erstaunlich wenig Minuten Film. Wenn man alles zusammenzählt, waren sicher 14 Tage dieses Jahres diesem doch recht kurzen Film gewidmet.

Was ich im Jahr 2014, in dem ich neben den bereits genannten Sachen auch hier und hier tätig war (und letzteres ist zwar mein All-Time-Herzensprojekt, aber z.B. finanzierungstechnisch ein absolutes Sorgenkind) und dann und wann auch mal normal studieren musste, gelernt habe: Energie ist keine unendlich verfügbare Ressource. Ich mag es eigentlich sehr, immer viele schöne Sachen gleichzeitig zu machen und komme schnell in so eine Art Runner’s High, wenn eine Selbstverwirklichungsmöglichkeit die nächste jagt. Leider merke ich immer noch zu spät, wenn mir dabei die Puste ausgeht. Ich bin nichtmal im höheren Management tätig und trotzdem eine Eins-A-Burnout-Kandidatin. Manchmal wusste ich letztes Jahr gar nicht, wann ich zum letzten Mal einfach „nichts“ gemacht habe. Oder habe ganz panisch reagiert, wenn mir bewusst geworden ist, dass ich mich völlig übernehme und am Horizont gerade wieder eine neue Aufgabe aufgetaucht ist. Und genauso schlimm ist es, zu merken, dass ich super viel Zeit in eine Sache investiere und es trotzdem nicht so recht klappt oder es für gute oder schlechte Arbeit einfach gar keine Resonanz gibt. Mein Vorsatz für 2015 ist also: Besser mit meiner Energie haushalten. Vielleicht zwei- oder dreimal überlegen, ob ich Sachen wirklich machen will – was schwierig genug ist, wenn man erstmal weiß, wie einfach es im Grunde ist, sich z.B. bei Slams anzumelden oder ein Filmprojekt anzuleiern. Du musst es einfach machen. Aber wenn du erstmal in gewissen Strukturen drin bist, steigt die Quantität der Baustellen oftmals schneller, als dir lieb ist. Hey, du hast doch hier mitgemacht, hast du auch Lust auf XY? Gebongt. So läuft es lustigerweise wirklich. Meine Baustelle fürs kommende Jahr soll aber auch meine Masterarbeit werden und deswegen muss ich tatsächlich mal ein wenig aussieben. Das wird vermutlich eine der schwierigeren Aufgaben, denen ich mich 2015 zu stellen habe. Aber immerhin wird das „Schwere Jahre voller schöner Stunden“ seine Treffsicherheit nicht verlieren.

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