Wo die ehemals wilden, jetzt resignierten Möwen schlafen

Vor ein paar Tagen hat die Lokalpresse eine Bucketlist für Kiel in den Umlauf gebracht, also eine Liste mit 55 Dingen, die man mal gemacht haben sollte, wenn man in Kiel lebt und studiert. Daran ist natürlich erst einmal nichts schlechtes, vor allem nicht für Leute, die zwar nicht gerne selber Listen schreiben, aber trotzdem Häkchen machen wollen. An den meisten Punkten ist nun auch wirklich nichts auszusetzen, wenn man einmal davon absieht, dass Dinge wie „mit Freunden im Schrevenpark grillen“ oder „im Tucholsky am Boden festkleben“ in dem Zusammenhang ähnlich überraschend klingen wie der Punkt „Atmen!“ auf einer Liste mit dem Titel „Was muss ich tun, um zu überleben?“. Kurz: Das ist ja alles ganz nett, aber wenn ihr Kiel wirklich eines Tages durchgespielt haben wollt, hätte ich da noch 33 wertvolle Ergänzungen zu dieser Liste:

1. Dabei zusehen, wie dir dein Fahrrad unterm Arsch wegrostet (wenn es nicht schon längst geklaut wurde.)

2. Von der Tütenfrau beschimpft werden.

3. Ein nettes Gespräch mit der Tütenfrau führen.

4. Nachts um 3 Uhr im Hinterzimmer von Dostlar am Dönerdreieck Pommes essen.

5. Alle Vogelarten bestimmen, die sich auf dem Campus tummeln.

6. Herausfinden, wo die Möwen nachts schlafen.

7. Herausfinden, wie die Seehunde nachts schlafen. Feststellen, dass das für Menschen so nicht funktionieren würde.

8. Mit Schweinswalen in der Förde baden.

9. Schwedisch lernen, um heimlich skandinavische Alkoholtouristen belauschen zu können.

10. Schwedisch lernen, um bei Citti für den Export reserviertes Slots kaufen zu können.

11. Ansonsten nichts bei Citti kaufen, später aber das Mittagessen ausfallen lassen, weil es an den Probierständen im Laden schon genug zu essen gab.

10. In der Bergstraße: Das Elend beobachten. Nicht dazu beitragen. (Protipp: Das funktioniert am besten von einem gemütlichen Platz auf der gegenüberliegenden Straßenseite aus mit einer Portion Twister in der Hand.)

11. Das Mädchenklo in der Schaubude für zu voll befinden, hinter die Muthesius urinieren, dabei von der Polizei erwischt werden.

12. Ohne Kurtaxe an den Strand von Laboe. Yolo!

13. Das Konzept „Frisur“ endgültig über den Haufen werfen. Stattdessen eine hübsche Mützensammlung aufbauen.

14. Im Sportforum einen Joghurt essen und dabei von einem Volleyball getroffen werden.

15. Auch in Funktionskleidung cool aussehen können.

16. Einer von fünf Gästen auf einer völlig unterschätzten und schlecht beworbenen Veranstaltung sein.

17. Sonntags im Schlafanzug zum Dönerdreieck gehen, weil der Bäcker schon zu hat.

18. Auch mal einen Ausflug nach Neumünster machen.

19. Mit Freunden im Schützenpark oder auf den Moorteichwiesen grillen und dabei gar nichts lustiges rufen, weil alle anderen im Schrevenpark sind.

20. Im Weltruf, bzw. Ben Briggs einen Armdrückwettbewerb anzetteln. Den Gegner durch zärtliches Händekraulen ablenken. Den Wettbewerb trotzdem verlieren.

21. Versehentlich auf einer Burschenschaftlerparty landen, als Nicht-Burschi identifiziert und durch ganz Düsternbrook gejagt werden.

22. Pizza aus dem Pizzaautomaten an der Shell im Königsweg holen, um sich damit in einer kalten Nacht die Hände zu wärmen.

23. So lange studieren, dass Professoren dich nach ihrem Forschungssemester mit „Ach, sie sind ja auch noch hier!“ begrüßen.

24. Bei Regengeräuschen richtig gut einschlafen können. Nicht, weil es so schön gemütlich ist. Sondern aus Langeweile.

25. Sich im Cheap Cheap Club vom DJ etwas von Joy Division wünschen. „Let’s Dance to Joy Division“ bekommen.

26. Zu Fuß über die Holtenauer Hochbrücke gehen. An einer Stelle zu lange stehen bleiben. Für einen Sprayer gehalten werden. Einen Polizeieinsatz auslösen.

27. Auf einer Party jemand neues kennen lernen. Zusammen durchmachen, bis Rewe am Hauptbahnhof aufmacht. Dort einen Apfel kaufen, für die Vitamine. Zusammen an der Hörn sitzen, verstrahlt ins Wasser starren und schlaue Dinge sagen wie „um diese Tageszeit ist die Welt am authentischsten!“ Spontan sehr verliebt sein.

28. Feststellen, dass du mit der spannenden neuen Person 351 gemeinsame Facebookfreunde hast und ihr außerdem entfernte Blutsverwandte seid.

29. Beinahe auf dem Mädchenklo in der Traum GmbH an Nasenbluten krepieren, weil dir drei Leute helfen könnten, sich stattdessen aber darüber streiten, wer das beste Mittel gegen Nasenbluten kennt.

30. Den „Hausschnaps“ aus den Überseestuben probieren.

31. In die Blumenkästen der Überseestuben kotzen.

32. Asmus Bremer mit 10 Jahre alten D-Böllern bewerfen.

33. Die Nase voll vom Kieler Sommer haben. Im August bei 15°C im Windbreaker an der Trampstelle stehen. 9 Stunden später bei 29°C irgendwo in Bayern aussteigen.

[Weitere Vorschläge gerne in den Kommentaren hinterlassen!]

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13 Gedanken zu “Wo die ehemals wilden, jetzt resignierten Möwen schlafen

  1. Feststellen, dass Gaarden eigentlich wie Kreuzberg in den Neunzigern ist, aber nie richtig cool sein wird, weil alle Studenten nach dem Studium die Stadt verlassen.

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  2. . Im Subrosa Seetang bestellen.
    . Am Kiosk ein Paderborner für 90 Cent kaufen und es direkt am Vinetaplatz trinken. Niemand stirbt.
    . Auf dem Wochenmarkt die Routine für einen Blumenverkäufer zerstören, weil man einen Film dreht.
    . Aufhören über das Wetter zu reden und einfach geilen Scheiß machen.
    . Nicht nur bei Sonnenschein auf dem Deck der Schwentinefähre sitzen.
    . Montags 11 Uhr ein Bier im Zwitscherstübchen trinken wollen, aber keinen freien Platz mehr finden.
    . Am ZOB beobachten, wie Fäkalien langsam an der Wand herunterutschen.

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  3. – sich aus Witterungsgründen für eine Flechtfrisur und gegen Wimperntusche entscheiden.
    – im Tuch Handynummern sammeln.
    – nachts an der Tanke Capri-Sonne kaufen.
    – nach der Oper zu „Mein Döner“ gehen.
    – der Versuchung wiederstehen, ein Fahrrad „zurückzuklauen“.

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  4. Bei Go im Hanging Garden einen heißen Grog bestellen und für den Arbeitsaufwand angepöbelt werden. Trotzdem Gummibärchen aufs Tablett gelegt bekommen.

    Um zehn Uhr morgens in der Probierstube in der Schauenburger zum Kniffeln vorbeigehen.

    Die Halloween- & die Geburtstagsfeier im Strongbows Pub miterleben.

    Mit Maschine am Dienstagabend im Pogue Mahone in der Bergstraße beim Karaoke erst „Schön ist es, auf der Welt zu sein“ und später „Die kleine Kneipe in unserer Strasse“ singen.

    Beim Trash-Bingo eine Dose Gurken gewinnen.

    Morgens um sieben das Soto’s mit abschließen und ggf. gleich noch zum Falckensteiner Strand weiterfahren.

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  5. Rudern lernen. Mittlerweile segelt ja jeder Arsch.
    Einmal zur Fontäne im Kleinen Kiel schwimmen.
    Im Seehundbecken schwimmen, sich dabei von nem Seehung beissen lassen und dem Arzt in der Uniklinik erklären, dass der Hundebiss, nicht wirklich ein Hundebiss ist und warum man klatschnass ist.
    Im U-Boot-Bunker Kilian gefeiert haben. (Geht nun leider nicht mehr, sollte man aber definitiv gemacht haben.)

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  6. – Filme nur im Studio Filmtheater schauen, wo man für einen Film+Popcorn+Cola 10€ bezahlt, während man im Cinemaxx schon für das Ticket 15€ löhnt
    – besoffen im Pogue Mahone ein Lied der Backstreet Boys von sich geben, um auch den letzten in der Kneipe von seinen fehlenden Gesangsfähigkeiten zu überzeugen
    – einmal vom T-Kiela ins Tucholsky und vom Tucholsky ins T-Kiela…
    – dem qualitativ hochwertigen Kieler Poetry Slam in der Pumpe besuchen

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  7. Spätabends auf der Friedrichsorter Leuchtturminsel mit Blick Richtung Hörn ein Warsteiner trinken. Die Beine baumeln währenddessen selbstverständlich über den Inselrand.

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