Leerstellen. Wunschträume. Amokläufe.

Liv Strömquist: Hundra Procent Fett. Stockholm 2014, S. 74.

„Das wichtigste ist nicht, ein guter Vater zu sein, sondern ein ANWESENDER Vater.“ Liv Strömquist: Hundra Procent Fett. Stockholm 2014, S. 74.

Zugegeben: Ich weiß nicht viel über Väter. Und weil das hier ein recht persönlicher Text wird, habe ich keine Lust, irgendwelche Studien zu Eltern-Kind-Beziehungen oder ähnliches in meine Betrachtungen einzubeziehen.* Aus meinem letzten Schweden-Aufenthalt habe ich allerdings die sehr tolle Comic-Strip-Sammlung „Hundra Procent Fett“ von Liv Strömquist mitgenommen und darin u.a. einen interessanten Comic über Väter gefunden. Darin weist die Zeichnerin auf die bigotte Misere hin, dass Väter schon für ihr bloßes Vorhandensein honoriert werden, während an Mütter ungleich krassere Erwartungen gestellt werden. Das deckt sich auf eine furchtbare Art und Weise auch mit meinen Erfahrungen als Kind einer alleinerziehenden Mutter. Weiterlesen

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Krötenwanderung

Ein Lied aus dem Soundtrack zu meinem Leben klingt so ähnlich wie Zum Laichen und Sterben ziehen die Lachse den Fluss hinauf von Thees Uhlmann. In meiner Coverversion tauschen wir die Lachse gegen Kröten und lassen es mit dem dramatischen Lärm quietschender Reifen beginnen, verursacht durch eine Vollbremsung. Es ist Frühjahr, Anfang März, und mitten auf der Straße sitzt eine Kröte. Wie alle ihre Artgenossen ist sie auf dem Weg zu ihrem Schlüpfteich, um dort selbst ein paar glibberige Eier abzulegen, aus denen erst Kaulquappen, dann kleine und später große Kröten werden. Als Amphibie gehört sie zu den wechselwarmen Tieren, ihre körperliche Aktivität steigt und fällt mit der Umgebungstemperatur, und weil es schon dunkel ist, ist es auch kalt und die Kröte damit bewegungsunfähig. Es könnte ihr Ende sein, doch sie hat Glück, denn meine Mutter springt aus unserem Fiat Panda, setzt sie auf die andere Straßenseite und wir fahren weiter. Das ist bei weitem nicht die letzte Vollbremsung für heute und auch insgesamt keine Ausnahme. Meine Mutter bremst für alle Kröten. Nun, nicht auf Hauptstraßen, aber sonst überall. Weiterlesen

First World Problems vol. I

Dienstag nachmittag, so 17 Uhr. Aus Hungrigkeitsgründen begebe ich mich zu einer Lifestyle-orientierten Futterstelle im Sportforum der CAU Kiel. Sojajoghurt mit Müsli, viel zu teuer, trotzdem lecker. Ich lasse mich nieder auf einer der Tribühnen, die vor allem der komfortablen Aufbewahrung von Zuschauern der unterschiedlichen Sportarten dienen, die dort praktiziert werden. Kaum habe ich mich dort häuslich eingerichtet, werde ich von einem Volleyball getroffen. Der Joghurt ist all over the place. Meine überwiegend dunkle Kleidung hat ein neues Sprenkelmuster. Und vorher dachte ich noch: Setz dich nicht zum Basketballfeld, da wirst du sicher abgeworfen.

24 Stunden später: Minusgrade. Der echte Winter hat sich endlich gegen den Kieler All-Time-April durchgesetzt. Für meinen Fahrradsattel brauche ich einen Eiskratzer. Im Korb auf dem Gepäckträger befindet sich festgefrorener Schnee von gestern. Das Schloss geht gerade so auf, aber die Gangschaltung ist im höchsten Gang eingefroren. Als ich versehentlich die Handbremse zudrücke, bleiben die Bremsklötze am Vorderreifen kleben.

Meine warme Jacke ist in der Wäsche, mein Fahrrad ist tiefgefroren. Tut mir leid, ich muss heute leider zuhause bleiben.

Was war und was wird nun? Ein Jahresrück- und -Ausblick

Der unangefochten beste Mensch auf der Welt hat mir zu Weihnachten ein sehr schönes T-Shirt geschenkt. „Schwere Jahre voller schöner Stunden“ steht darauf. Im Prinzip habe ich nun die Möglichkeit, das Resümee eines jeden Jahres direkt am Leib zu tragen (es sei denn, das Shirt ist in der Wäsche). Falls jemand nach einem Jahresrückblick fragt, könnte ich also einfach schweigen und auf diesen Aufdruck deuten. Eine Äußerung, so praktisch wie wahrhaftig. Auch das letzte Jahr war irgendwie furchtbar anstrengend, was vor allem daran lag, dass sich im Januar direkt eine ganze Handvoll neuer Betätigungsfelder angehäuft hat. Weiterlesen